Augebrannt

Sina Graßhof "Ausgebrannt".

Ausgebrannt von Sina Graßhof
Dunkelheit – um ihn herum und in seinem Inneren. Mark Schmidt, 30, aus Berlin befindet sich in einer Lebenskrise. Er hat alles verloren, am Ende sogar seinen Verstand. Also fasst er einen folgenschweren Entschluss: Er will alles beenden… Ein Buch über Einsamkeit, die Abgründe des Leids, Liebe, Vergebung – und Hoffnung, die sich manchmal versteckt, aber einfach nicht tot zu kriegen ist.

"Ausgebrannt", so der Titel des Buches von Sina Graßhof. Ausgebrannt ist die Geschichte von Mark Schmidt. In einer Art zweijährigem Tagesbuch wird das Auf und Ab eines jungen Mannes beschrieben, der mit der Diagnose Depression umzugehen lernt. Anfangs noch sagt Mark noch "Ja, ich war erfolgreich in meinem Job, aber das ist vorbei. Ich habe keine Beziehung, keine Kinder, kein Haus. Und keine Freunde." Die Art wie Sina Graßhof die Geschichte erzählt, zeigt, dass sie selbst die Gefühle einer Depression durchlebt hat. Man erhält das Gefühl selbst in der Rolle zu stecken. So richtig verstehen kann sie eben nur jemand, der den Höllenritt Depression selbst schon in mehreren Episoden durchschritten ist. Ja, Depressionen machen einsam, einerseits, weil sie in der Gesellschaft noch immer stigmatisiert werden, andereseits, weil die Betroffenen sich nicht lautstark in dieser Gesellschaft bemerkbar machen. Man sollte meinen, dass eine so große Menge Menschen die betroffen sind, auch kräftig zu Wort kommen, aber es gibt zuviele, die sich bisher noch nicht mit dieser schweren Krankheit auseinandergesetzt haben. So kann dies nur heißen, noch mehr Aufklärung in der Gesellschaft. Dieses Buch kann dazu beitragen.
Im Verlaufe der Geschichte kommt Mark zur Einsicht "Ich bin erkrankt und das geht nicht einfach wieder weg. Ich bin immer rückfallgefährdet und muss mein Leben mit Rücksicht auf die Krankheit ausrichten." Als Betroffener sage ich, dies ist der entscheidende Schritt. Sich selbst einzugestehen, dass es eine Krankheit ist, nicht das persönliche Versagen, dass es nicht die Frage ist morgens nicht aufstehen zu wollen, sondern es einfach nicht zu können, dass jeder einzelne Schritt Kampf bedeutet und es besser ist nicht ständig den Kampf führen zu wollen, sondern zu lernen mit der Krankheit zu leben, sich die Krankheit zum Partner zu machen.
Eingebettet wir die ganze Erzählung auch in die Liebesgeschichte von Mark. Oft sind die Umbrüche durch eine Depression so radikal, dass auch alle persönlichen Beziehungen darunter leiden und sehr viele dieser Belastung nicht standhalten.
Das Buch handelt wie selbstverständlich das Verhältnis von Selbstwert und Arbeit ab. Depressive Menschen ziehen sehr häufig ihr Selbstwertgefühl über diese Anerkennung. Und wenn dann die Leistungsfähigkeit, diese Anerkennung nicht mehr liefert, ist der Absturz abzusehen. Deshalb ist Marks Erkenntnis, dass der Job "nicht mehr das Wichtigste (ist). Er hat keine Monopolstellung mehr. Wenn es auf Arbeit nicht klappt, geht die Welt nicht mehr unter. Das Leben bietet so viel mehr. Man sollte im Job nicht seine Selbstverwirklichung suchen, das macht auf Dauer nicht glücklich." eine ganz wichtige Erkenntnis aus diesem Buch.
Insgesamt 298 Seiten, die sehr lesens- und nachdenkenswert sind. Da nimmt man auch gern in Kauf, dass bei Büchern über Books on Demand so manche Formatierung des Textes Fehler aufweist.