Angst vor finanziellen Risiken bei Erkrankung

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Für viele Betroffene stellt sich die Frage, wie geht es finanziell weiter, wenn ich nicht schnell wieder gesund werde. Dabei wird oft die Langfristigkeit des Krankheitsverlaufs Depression unterschätzt. Um unnötige Belastung durch diese Frage aufkommen zu lassen, möchte ich hier die möglichen Schritte aufzeigen.

Wer krank wird, hat zunächst sechs Wochen einen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. In dieser Zeit wird der Lohn in Höhe des zu erwartenden Lohns fortgezahlt, d. h. Überstunden werden nicht in die Berechnung einbezogen.

Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht für maximal sechs Wochen. Danach wird für gesetzlich Krankenversicherte in der Regel Krankengeld von der Krankenkasse gezahlt. Wenn ein Arbeitnehmer innerhalb von zwölf Monaten (ab dem Beginn der ersten Erkrankung gerechnet) immer wieder an derselben Krankheit erkrankt, dann werden diese Krankheitstage aufsummiert, bis die vorgenannten sechs Wochen erreicht sind. Der Anspruch auf sechs Wochen Fortzahlung entsteht erneut, wenn er innerhalb von 6 Monaten vor Beginn der erneuten Arbeitsunfähigkeit nicht wegen derselben Erkrankung arbeitsunfähig war. Es ist zu beachten, dass ich im Falle einer unberechtigten Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, diese zurückzahlen muss.

Ab der siebenten Woche wird für die Dauer von max. 72 Wochen das Krankengeld in Höhe von 70% des Bruttogehalts, jedoch nicht mehr als 90% des Nettogehalts durch die Krankenkasse gezahlt.

In der Regel meldet sich die Krankenkasse nach kurzer Zeit, um durch den medizinischen Dienst der Krankenkasse den weiteren Genesungsprozess einschätzen zu lassen.

Achtung! Mit auslaufen des Krankengeldes endet auch die Mitgliedschaft in der Krankenkasse. Bezieher von Arbeitslosengeld oder einer Erwerbsminderungsrente sind weiterhin krankenversichert.

Ist die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber beendet und wird eine medizinische Reha durchgeführt

zahlt der Rententräger das sogenannte Übergangsgeld in Höhe von mindestens 68% des letzten Nettogehalts. In dieser Zeit ruht der Anspruch auf Krankengeld, d. h. diese Zeit wird nicht auf die  72 Wochen Krankengeld angerechnet. Diese Rehas dauern in der Regel zwischen 3 und 5 Wochen können aber nach Antrag verlängert werden. In den meisten Fällen wird nach der Reha der Betroffene als gesund entlassen. Deshalb gibt es in deren Folge unterschiedliche Möglichkeiten, nicht ins soziale Loch zu fallen.

Entweder ich kann wieder voll in meinen Beruf einsteigen, oder wenn dies nicht möglich ist, kann in Abstimmung mit Krankenkasse/Rententräger und Arbeitgeber eine stundenweise Wiedereingliederung vereinbart werden.

Ist ein Wiedereinstieg nicht möglich und das Krankengeld endet, dann ist bei der zuständigen Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit (§ 145 SGB III) zu beantragen. Der Anspruch besteht bis zum Entscheid der Rentenkasse über den Antrag auf Erwerbsminderungsrente.

Damit eine unterbrechungsfreie Absicherung gewährleitet werden kann, sind die Anträge möglichst zeitig zu stellen. Für Arbeitslosengeld mindestens drei Monate vor Ablauf des Krankengeldes; der Rentenantrag kann auch ohne langfristige Krankschreibung gestellt werden, wenn absehbar ist, dass die Erkrankung die volle Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränken wird. Bei einer Bewilligung wird stets die Einreichung des Antrages als Rentenbeginn gerechnet.

Aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen geht hervor, dass kaum eine Beratung zum Thema Erwerbsminderungsrente erfolgt. Als Betroffener muss man die Initiative selbst ergreifen.
 

Auch wenn viele Gutachten deutlich werden lassen, dass die volle Erwerbstätigkeit nicht mehr gegeben ist, werden Betroffene nicht darauf aufmerksam gemacht, dass in solchen Fällen besser als eine langfristige "Krankscheibung" eine verkürzte Arbeitszeit ist. So bleibt der Betroffene im Arbeitsprozess, kann aber Zeit für seine Genesung gewinnen. Und viele Betroffene möchten nicht auf die Struktur durch die Arbeitstätigkeit verzichten. Auch wenn das Ausfüllen Aufwand bedeutet, so ist jedem zu raten, die Formulare beim Rententräger auszufüllen oder bereits ausgefüllt mitzunehmen. Der Antrag bedeutet nicht, dass die Rente bewilligt werden muss, aber nach dem entsprechenden Gutachterverfahren, hat man selbst das Gefühl etwas für sich getan zu haben. Vielleicht kommt so die lange gewünschte Reha auf den Weg. Auch das wäre für viele Betroffene bereits ein Erfolg. Deshalb hier der Link zu den Formularen bei der Rentenversicherung:

Link zur Formularseite der Rentenversicherung

Benötigt werden auf alle Fälle folgende Formulare:
R0100
R0210
R0211
R0215
R0810
R0990

Empfehlung: Formulare beim Berater bei der DRV abgeben, um Unklarheiten beim Ausfüllen gleich aus dem Wege zu räumen.

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