Was sind Depressionen

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Noch immer liegt auf der Diagnose Depression das Negativimage des "Unnormalen". Doch Depression ist nicht die Krankheit des Einzelnen. Der Einzelne spiegelt in seiner Erkrankung nur die depressiv entarteten Züge in Wirtschaft und Gesellschaft. Egal welche Partei, welchen Arbeitgeberverband oder welche Gewerkschaft sie befragen und welche Interessen diese vertreten, sie alle kennen nur einen Lösungsweg "Wachstum". Aber alles immer schneller, weiter, höher beschleunigt nur das Rennen im Hamsterrad. Der depressive Mensch muss lernen auf seinen Körper zu hören, sein Verhalten anzupassen, heraus aus dem Hamsterrad zu kommen. Wäre es nicht besser, wenn dies auch in Wirtschaft und Gesellschaft so wäre und wir damit Depressionen vorbeugen könnten?!

Als Depression im medizinischen Sinne bezeichnet man eine länger anhaltende psychische Erkrankung, die unter anderem durch eine gedrückte Stimmung, den Verlust von Interesse und Freude und eine erhöhte Ermüdbarkeit geprägt ist. Typisch sind eine "Trauer ohne Grund" oder auch ein "Gefühl der Gefühllosigkeit".

Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind Empfindungen, die alle Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Oft sind Verluste, private oder berufliche Enttäuschungen oder Misserfolge so belastend, dass sie alle Lebensbereiche negativ beeinflussen. Doch diese Gefühle gehen in der Regel vorbei, machen neuen Empfindungen Platz und die Stimmung hellt wieder auf. Aus medizinischer Sicht handelt es sich dabei nicht um eine Depression, sondern um eine "normale" Reaktion unserer Psyche auf bestimmte Lebensprobleme. 

Im Gegensatz zu einer "normalen" Traurigkeit ist der an einer Depression Erkrankte nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft von der gedrückten Stimmung zu befreien. Sein privater wie beruflicher Alltag wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Die Depression beeinflusst das gesamte körperliche Empfinden, das Denken, die Gefühle und das Verhalten des Erkrankten sowie die Bezüge zur eigenen Person, zum Umfeld und zu seiner Zukunft. Dies kann dazu führen, dass schwer depressive Menschen unfähig sind, den eigenen Lebensverpflichtungen nachzukommen, sie schaffen es manchmal kaum, morgens aus dem Bett aufzustehen. 

An einer Depression zu erkranken bedeutet aber weder "verrückt" zu sein, noch heißt es, dass Betroffene gefährdeter sind, eine andere psychiatrische Erkrankung wie eine Schizophrenie oder eine Demenz zu entwickeln. Der Realitätsbezug und die Orientierung zur eigenen Person bleiben bei der Depression erhalten. Die Depression ist eine Erkrankung der Stimmungen und Gefühle, die mit modernen Therapiemethoden meistens gut zu behandeln ist. Grundsätzlich kann man sagen: Je früher die Behandlung einer Depression beginnt, desto besser sind die Heilungschancen.​

(Quelle Techniker Krankenkasse tk.de)

Die Depression ist eine häufige psychische Störung nicht nur hierzulande, sondern weltweit. Man kann davon ausgehen, dass das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, bei circa 16 bis 20 Prozent liegt. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an einer depressiven Störung, das bedeutet, von 100 Menschen sind etwa zehn erkrankt.

Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt etwa die Hälfte der depressiven Erkrankungen unerkannt, das heißt die Dunkelziffer ist hoch. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Zum einen gehen die Betroffenen nicht zum Arzt, zum anderen diagnostizieren Ärzte die psychische Erkrankung nicht. Gerade bei älteren Menschen bleibt eine depressive Störung häufig unerkannt. Dies kann darin begründet sein, dass man sie mit alterstypischen Beschwerden verwechselt oder als Nebenwirkung von Medikamenten einstuft.

Grundsätzlich kann eine Depression in jedem Lebensalter auftreten, jedoch beginnen 50 Prozent der Erkrankungen vor dem 31. Lebensjahr.

Wie Untersuchungen zeigen, treten Depressionen in der Regel mehr als einmal auf. So folgt bei etwa 60 bis 70 von 100 Patienten im Lauf der Zeit eine erneute depressive Episode. Die Depression tritt bei Frauen schon früher im Leben auf und ihr Rückfallrisiko für weitere depressive Phasen ist höher als bei Männern.

(Quelle Techniker Krankenkasse tk.de)

 

Experten gehen davon aus, dass bei Entstehung einer Depression verschiedene Faktoren beteiligt sind und erst ein Zusammenspiel dieser Faktoren die Krankheit auslöst.

Dabei scheint eine Erkrankungsbereitschaft genetisch bedingt zu sein. So haben Angehörige ersten Grades von depressiven Patienten, zum Beispiel Kinder oder Geschwister, ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken. Dies allein würde jedoch noch keine Depression verursachen.

Hinzu kommen vermutlich weitere Faktoren wie Lebensweise, soziales Umfeld oder Lebensgeschichte. Insgesamt kommen Depressionen häufiger bei belastenden Lebensereignissen vor: Das kann der Tod eines nahe stehenden Menschen sein. Oder Scheidung, auch wenig soziale Unterstützung, Vereinsamung, bedrückende Begleiterkrankungen, Abhängigkeit von Alkohol, Tabletten oder Drogen sind ausschlaggebende Faktoren.

Neben depressiven und manisch-depressiven Erkrankungen bei Angehörigen erhöhen bereits durchgemachte depressive Episoden sowie Selbstmordversuche von Familienmitgliedern das Risiko für eine Depression.

Darüber hinaus liegen bei depressiven Menschen meist typische negative Denkmuster vor, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen und auch die Symptomatik aufrecht halten können. So neigen Depressive beispielsweise oft stark zu Schuldgefühlen, welche die ohnehin schon gedrückte Stimmung noch weiter negativ beeinflussen. Auch körperliche Erkrankungen und hormonelle Umstellungen, zum Beispiel während der Wechseljahre oder nach einer Entbindung, können Auslöser einer Depression sein.

Davon zu unterscheiden sind allerdings Depressionen aufgrund einer bekannten körperlichen Ursache. In diesem Fall spricht man von sogenannten "sekundären Depressionen". So können zahlreiche körperliche Erkrankungen, etwa Schilddrüsenerkrankungen, Hormonstörungen, die Parkinson-Krankheit, Gehirntumoren, Demenzen, Herzmuskelschwäche, aber auch Medikamente wie Betablocker, Kortison und einige Antibiotika eine depressive Symptomatik auslösen.

Insbesondere lang dauernde und immer wiederkehrende (chronische) Erkrankungen sowie Suchterkrankungen führen häufig zu sekundären Depressionen.

(Quelle Techniker Krankenkasse tk.de​)

Insgesamt kann sich die Depression in einer Vielzahl von sowohl psychischen als auch physischen Symptomen äußern.

Wichtige Symptome sind unter anderem:

  • Verlust von Interesse und Freude an normalen Aktivitäten und Vergnügungen
  • Mangelnder Antrieb
  • Erhöhte Ermüdbarkeit, körperliche Abgeschlagenheit
  • Schlafstörungen
  • Verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Schuldgefühle
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Unentschlossenheit, teilweise auch bei einfachen Entscheidungen
  • Negative Zukunftsgedanken
  • Suizidgedanken
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme
  • Innere Unruhe
  • Vermindertes sexuelles Interesse, Aussetzung der Monatsblutung, Impotenz, sexuelle Funktionsstörungen
  • Verspannungen der Muskulatur, plötzlich einschießende Schmerzen
  • Druckgefühl in Hals und Brust, Beengtheit im Hals (sogenanntes "Globusgefühl")
  • Körperliche Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Luftnot, Herzrhythmusstörungen und so weiter, für die der Arzt keine organische Ursache finden kann
  • Depressive Stimmung oft ohne jeden Anlass, mit allen Übergängen von leichter Bedrücktheit bis zur tiefen Traurigkeit und zum versteinerten "Nichts mehr fühlen können"

(Quelle: Techniker Krankenkasse www.tk.de

Besteht der Verdacht auf eine Depression, sollte der Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, der ihn gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen kann. In der Regel erfolgt die Diagnose anhand der Symptomatik. 

 

Eine Depression liegt dann vor, wenn wenigsten zwei sogenannte Haupt- oder Kern- und zwei Nebensymptome über mindestens zwei Wochen bestehen. Zu den Hauptsymptomen zählen:

  • Depressive Stimmungslage
  • Verlust von Interesse und Freude
  • Mangelnder Antrieb und erhöhte Ermüdbarkeit

Nebensymptome sind:

  • Verringerte Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Eingeschränktes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühl der Wertlosigkeit
  • Negative Zukunftsgedanken
  • Selbstmordgedanken und -handlungen
  • Schlaflosigkeit
  • Appetitverlust

Daher steht im Mittelpunkt der Diagnostik ein ausführliches Gespräch. Zunächst geht es dabei um die aktuellen Beschwerden und Vorerkrankungen. Bei der Einschätzung ist nicht nur der derzeitige Gemütszustand wichtig, sondern auch der Verlauf der letzten Wochen. Und auch die Lebens- und Familiengeschichte sowie bestehende Probleme sind bei der medizinischen Betrachtung ganz wichtig.

Weitere Hinweise auf die Erkrankung und deren Ausmaß können psychologische Tests, zum Beispiel Allgemeine Depressionsskala, Beck-Depression-Inventar, oder einfache Fragebögen liefern. Eventuell werden die Betroffenen auch gebeten, Tagesprotokolle zu erstellen. So gewinnt der Arzt einen Einblick in ihren Alltag und kann feststellen, wie und in welchem Ausmaß sich die depressive Erkrankung auswirkt.

Um körperliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen, können eine gründliche körperliche Untersuchung und die Bestimmung verschiedener Blutwerte erfolgen. Außerdem sind unter Umständen zum Beispiel eine Hirnstrommessung (EEG) und in besonderen Fällen eine Computertomographie des Kopfes (CCT) notwendig. Auf diese Weise kann man Veränderungen des Gehirns, zum Beispiel Tumoren oder einen Hirninfarkt (Schlaganfall) erkennen.

Auch sind andere psychische Erkrankungen, insbesondere Sucht- und Angsterkrankungen sowie Persönlichkeitsstörungen auszuschließen.

Je nach Ausprägung der Symptomatik lässt sich die Depression in eine leichte, mittelschwere und schwere Form einteilen. Daneben unterscheidet man Depressionen nach der jeweiligen Verlaufsform, das heißt, ob eine anhaltende depressive Verstimmung vorliegt oder die Symptomatik in Phasen (einmalig oder wiederholt) auftritt.
(Quelle: Techniker Krankenkasse www.tk.de)

Die Depression kann unterschiedlich verlaufen. Dabei können sogenannte depressive Episoden auftreten, die entweder einmalig oder wiederholt vorkommen. Dabei liegen zwischen den einzelnen Episoden unter Umständen mehrere Jahre, aber auch kürzere Abstände sind möglich. Bei den von einer erstmalig vorliegenden depressiven Episode Betroffenen tritt bei mindestens der Hälfte eine weitere Episode (Rezidiv) auf.

Weiterhin unterscheiden Mediziner die Dysthymie. Hierbei handelt es sich zwar ebenfalls um eine Phase mit dauerhafter gedrückter Stimmung. Doch beeinträchtigt diese das Befinden der Betroffenen nicht so stark wie eine depressive Episode.

Außerdem gibt es die chronische Depression, dabei bestehen die depressiven Symptome über wenigstens zwei Jahre. Eine Remission ist dagegen das vollständige Wiedereintreten der psychischen Gesundheit nach einer depressiven Episode. Bessert sich die Gesundheit nur zum Teil, spricht man von einer unvollständigen Remission.

Somit sind folgende Verlaufsformen möglich:

  • Depressive Episode mit vollständiger Remission
  • Depressive Episode mit unvollständiger Remission
  • Wiederholte (rezidivierende) depressive Episoden
  • Depressive Episode mit vorheriger Dysthymie
  • Chronische Depression

Insgesamt ist die Prognose jedoch gut. Bei vielen Patienten lassen sich die depressiven Episoden durch eine konsequente Behandlung durchbrechen und zum Abklingen bringen.

(Quelle: Techniker Krankenkasse www.tk.de)

Die Behandlung der Depression zielt auf eine vollständige Rückbildung der akuten Symptomatik sowie eine Vorbeugung von Rückfällen. Welche Behandlungen für den Einzelnen infrage kommen, hängt von dem Schweregrad und bisherigen Verlauf der Erkrankung sowie von den Wünschen des Betroffenen ab.

Hauptpfeiler der Depressionsbehandlung sind die Psychotherapie und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. Beide Methoden haben sich in wissenschaftlichen Untersuchungen als wirksam erwiesen. Besonderes Augenmerk sollte sich während der Behandlung auf eine Selbstmordgefährdung richten, die nicht zu unterschätzen ist.

Durch Studien gesichert ist, dass Bewegung und körperliches Training das Befinden bei einer Depression bessern und eine sinnvolle Unterstützung jeder anderen Therapie bei Depression sind. Empfohlen wird der Einsatz von körperlichem Training, um das Wohlbefinden zu steigern und zur Linderung depressiver Symptome.

Bei leichten und mittelschweren Depressionen kann eine alleinige Psychotherapie oder medikamentöse Behandlung ausreichen. Bei der schweren Form bietet sich eine Kombination aus medikamentöser Therapie und Psychotherapie an.

Auch eine aktiv-abwartende Begleitung des Patienten ist möglich, wenn sich beispielsweise die Symptome bei einer leichten depressiven Episode voraussichtlich von alleine zurückbilden. Allerdings sollte der Arzt die Symptome innerhalb der folgenden zwei Wochen überprüfen, um gegebenenfalls eine Behandlung einleiten zu können.

Bei körperlich verursachten Depressionen steht zunächst die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei schwerer Ausprägung der Depression kann jedoch zusätzlich eine medikamentöse Therapie und/oder Psychotherapie erforderlich sein.

Insbesondere wenn Selbstmordgefahr besteht oder eine häusliche Verwahrlosung anzunehmen ist, sollte der Erkrankte unbedingt in einer Klinik behandelt werden.

(Quelle: Techniker Krankenkasse www.tk.de)

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